Bambus, Holz, Knochen, Ton oder Keramik
Die Herstellung einer Quena ist ein Handwerk, das sich über viele Jahrhunderte entwickelt hat. Auch wenn heute moderne Werkzeuge eingesetzt werden, entstehen hochwertige Quenas nach wie vor weitgehend in sorgfältiger Handarbeit. Die Wahl des Materials, die Präzision der Bohrung und die Gestaltung der Anblaskerbe entscheiden maßgeblich über Klang, Ansprache und Stimmung.
Traditionell wurden Quenas aus Materialien gefertigt, die in den Anden leicht verfügbar waren.
Beim Bambus beginnt die Arbeit mit der Auswahl eines möglichst geraden Rohres. Es sollte gleichmäßige Wandstärken besitzen, keine Risse aufweisen und ausreichend lange getrocknet sein. Frischer Bambus wird häufig mehrere Monate bis Jahre gelagert. Durch das Trocknen wird das Material stabiler und verzieht sich später weniger.
Bei Holz wird zunächst ein geeigneter Rohling ausgewählt. Da Holz selten natürlich hohl ist, muss der Luftkanal später gebohrt werden.
Der Innendurchmesser ist einer der wichtigsten Faktoren für den Klang einer Quena. Beim Bambus gibt das natürliche Rohr den Durchmesser weitgehend vor. Die inneren Knoten werden sorgfältig entfernt und geglättet.
Bei Holz wird ein gerader Kanal exakt gebohrt. Schon geringe Abweichungen können Intonation und Klangfarbe deutlich beeinflussen.
Das Herzstück jeder Quena ist die Kerbe am oberen Ende. Sie wird von Hand gefeilt oder geschnitzt. Es gibt unterschiedliche Formen:
Schon Veränderungen im Zehntelmillimeterbereich beeinflussen die Ansprache, den Luftverbrauch, die Klangfarbe und die Spielbarkeit in den hohen Registern. Viele Instrumentenbauer betrachten die Gestaltung der Kerbe als ihre persönliche Handschrift.
Eine klassische Quena besitzt sechs Fingerlöcher auf der Vorderseite und ein Daumenloch auf der Rückseite.
Die Positionen werden zunächst berechnet und anschließend praktisch abgestimmt. Der Instrumentenbauer bohrt die Löcher zunächst etwas kleiner und erweitert sie schrittweise. Nach jedem Arbeitsschritt wird das Instrument erneut gestimmt.
Das Stimmen erfolgt nicht allein mit einem elektronischen Stimmgerät. Der Instrumentenbauer kontrolliert den Grundton, die Oktave, die oberen Register, die Gabelgriffe sowie die Übergänge zwischen den Registern.
Oft werden die Fingerlöcher mehrfach minimal vergrößert oder ihre Kanten leicht verändert, bis alle Töne sauber ansprechen und eine ausgewogene Intonation erreicht ist.
Je nach Material erfolgt anschließend die Endbearbeitung durch feines Schleifen, Polieren sowie das Ölen oder Wachsen der Oberfläche. Manche Instrumente werden zusätzlich lackiert, wobei viele Hersteller bewusst auf dicke Lackschichten verzichten, damit das Material frei schwingen kann.
Jede hochwertige Quena wird mehrfach angespielt. Dabei achtet der Instrumentenbauer insbesondere auf eine leichte Ansprache, eine saubere Intonation, eine gleichmäßige Lautstärke über alle Register, einen ausgewogenen Klang und eine angenehme Haptik. Erst wenn diese Kriterien erfüllt sind, gilt das Instrument als fertig.
Heute werden einzelne Arbeitsschritte wie das Bohren oder Drehen teilweise maschinell unterstützt. Hochwertige Konzert-Quenas werden jedoch nach wie vor von Hand abgestimmt. Gerade diese individuelle Feinabstimmung unterscheidet ein handgefertigtes Instrument von industriell gefertigten Modellen.
Die Herstellung einer Quena vereint traditionelle Handwerkskunst, akustisches Wissen und musikalisches Gehör. Obwohl das Instrument äußerlich schlicht wirkt, beeinflussen kleinste Veränderungen an Bohrung, Kerbe oder Fingerlöchern den Klang erheblich. Deshalb können zwei Quenas mit identischen Abmessungen dennoch sehr unterschiedlich klingen – ein Grund, warum erfahrene Instrumentenbauer in den Anden und darüber hinaus so geschätzt werden.
Alles rund um die Quena.
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